Datacenter Insights: Redundanz, Sicherheit & Infrastruktur im Fokus

BFE-Studie: Schweizer Datacenter wachsen effizienter als oft angenommen

Geschrieben von Julien Babelay | 25.6.2026

Wenn über Rechenzentren gesprochen wird, dominiert häufig ein Thema die Diskussion: der Stromverbrauch.

Schlagzeilen über künstliche Intelligenz, milliardenschwere Hyperscale-Projekte und den steigenden Energiebedarf der digitalen Welt vermitteln oft den Eindruck, Rechenzentren würden unkontrolliert immer mehr Strom verbrauchen.

Eine aktuelle Studie des Bundesamts für Energie (BFE) zeichnet jedoch ein deutlich differenzierteres Bild.

Die Untersuchung «Rechenzentren in der Schweiz – Stromverbrauch und Effizienzpotenziale» zeigt: Schweizer Datacenter wachsen, aber deutlich kontrollierter und effizienter, als es die öffentliche Debatte teilweise vermuten lässt.

Die wichtigsten Zahlen auf einen Blick

  • 2,1TWh Stromverbrauch Schweizer Rechenzentren im Jahr 2024

  • 3,6% des gesamten Schweizer Stromverbrauchs

  • +18% seit 2019 – trotz stark wachsender Digitalisierung

  • 20–40% höher wäre der Verbrauch ohne professionelle Datacenter und deren stetige Effizienzsteigerungen

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Rechenzentren verbrauchen 3,6 Prozent des Schweizer Stroms

 

Gemäss der BFE-Studie lag der Stromverbrauch der Schweizer Rechenzentren im Jahr 2024 bei rund 2,1 Terawattstunden. Das entspricht etwa 3,6 Prozent des gesamten Schweizer Stromverbrauchs.

Seit der letzten Erhebung im Jahr 2019 ist der Verbrauch um rund 18 Prozent gestiegen. Gleichzeitig haben Cloud-Dienste, digitale Geschäftsprozesse, Datenvolumen und Online-Services massiv über diesem Mass zugenommen.

Der Stromverbrauch der Schweizer Datacenter ist also deutlich langsamer gewachsen als die Digitalisierung selbst.

Genau darin liegt eine wichtige Erkenentnis der Studie: Das Wachstum erfolgt nicht unkontrolliert, sondern mit zunehmender Effizienz.

 

Effizienzgewinne verhindern deutlich höheren Stromverbrauch

Was die BFE-Studie besonders zeigt

Der Stromverbrauch steigt nicht im gleichen Tempo wie die Digitalisierung. Moderne Rechenzentren sind effizienter, besser ausgelastet und professioneller betrieben.

Die zentrale Aussage: Nicht jedes Wachstum ist automatisch ein Energieproblem – entscheidend ist, wo und wie IT-Infrastruktur betrieben wird.

Ein zentrales Ergebnis der Studie ist die Wirkung bereits umgesetzter Effizienzmassnahmen.

Laut Einordnung der Studienautoren und der SDCA läge der Verbrauch ohne bereits realisierte Effizienzmassnahmen heute schätzungsweise 20 bis 40 Prozent höher.

Zu den wichtigsten Faktoren gehören:

  • - effizientere Serverhardware
  • - optimierte Kühlsysteme
  • - höhere Auslastung der Infrastruktur
  • - bessere Virtualisierung
  • - professioneller Betrieb durch Datacenter

 

Die Studie zeigt damit klar: Digitalisierung und Energieeffizienz müssen kein Widerspruch sein.

 

Weitere Effizienzpotenziale von rund 38 Prozent

Besonders spannend ist, dass die Studie trotz der bereits erreichten Fortschritte weiterhin erhebliche Optimierungsmöglichkeiten sieht.

Laut der Analyse bestehen in Schweizer Rechenzentren langfristig zusätzliche Effizienzpotenziale von rund 0,78 Terawattstunden. Das entspricht etwa 38 Prozent  des heutigen Stromverbrauchs der Rechenzentren.

Interessant ist dabei: die grössten Potenziale liegen nicht mehr nur bei der Gebäudetechnik oder der Kühlung. Moderne Datacenter haben in diesen Bereichen bereits grosse Fortschritte erzielt.

Der Fokus verschiebt sich zunehmend zur eigentlichen IT-Nutzung:

  • - bessere Serverauslastung
  • - Virtualisierung
  • - Konsolidierung von Systemen
  • - effizientere Hardware
  • - Optimierung von Anwendungen und Workloads

 

Oder anders gesagt: Die Infrastruktur wird effizienter. Der nächste grosse Hebel liegt zunehmend darin, wie Unternehmen ihre IT betreiben.

Colocation statt Serverraum

 

Besonders interessant ist die Entwicklung innerhalb der verschiedenen Datacenter-Kategorien.

Während klassische unternehmensinterne Serverräume stagnieren oder teilweise rückläufig sind, entfällt das Wachstum vor allem auf professionelle Colocation- und Cloud-Rechenzentren.

Aus Effizienzsicht ist das eine positive Entwicklung.

Professionelle Datacenter erreichen deutlich bessere Werte als viele dezentrale Einzelinstallationen:

  • - moderne Kühlkonzepte
  • - höhere Auslastung
  • - professionelle Betriebsführung
  • - optimierte Energieversorgung
  • - skalierbare Infrastruktur



Mehrere Unternehmen teilen sich dabei dieselbe professionelle Infrastruktur.

Stromversorgung, Kühlung, Sicherheit und Connectivity werden zentral optimiert und effizienter betrieben als in vielen kleinen Technikräumen.

Die Verlagerung von IT-Systemen aus lokalen, firmeneigenen Serverräumen in professionelle Rechenzentren erhöht deshalb nicht nur die Verfügbarkeit, sondern senkt auch den Energieverbrauch pro Recheneinheit.

👉Wann sich Colocation für ein Unternehmen lohnt

 

KI ist in der Schweiz derzeit noch kein Haupttreiber

 

Die öffentliche Diskussion wird aktuell stark vom Thema der künstlichen Intelligenz geprägt.

Die BFE-Studie zeigt jedoch, dass KI in der Schweiz derzeit noch keinen dominierenden Einfluss auf den Stromverbrauch der Datacenter hat. Das Training grosser KI-Modelle findet überwiegend im Ausland statt.

Schweizer Datacenter unterstützen heute vor allem klassische Unternehmensanwendungen, Cloud-Services, digitale Plattformen und geschäftskritische Infrastrukturen für den lokalen Markt.

Damit unterscheidet sich die Situation in der Schweiz deutlich von den Gigawatt-Projekten, die derzeit international diskutiert werden.

 

 

Datacenter werden Teil des Energiesystems

 

Moderne Datacenter sind längst nicht mehr nur passive Stromverbraucher.

Durch Batteriespeicher, Lastmanagement und die Teilnahme an Regelenergiemärkten können sie zunehmend aktiv zur Stabilisierung des Stromnetzes beitragen.

Mögliche Beiträge sind:

  • - Lastverschiebungen
  • - Bereitstellung von Regelenergie
  • - Unterstützung bei Netzschwankungen
  • - Integration erneuerbarer Energien

 

Damit entwickeln sich Datacenter immer stärker zu  verantwortungsvollen Teilnehmern eines modernen Energiesystems.

Sie beziehen nicht nur Energie, sondern können im richtigen Setup helfen, das Gesamtsystem zu stabilisieren.

 

Was bedeutet Regelenergie?

Damit Stromnetze stabil bleiben, muss jederzeit genau so viel Strom eingespeist wie verbraucht werden. Schon kleine Abweichungen können die Netzfrequenz beeinflussen und Blackouts verursachen.

Regelenergie hilft dabei, diese Schwankungen auszugleichen.

Grundsätzlich unterscheidet man verschiedene Stufen:

  • - Primärregelenergie reagiert innerhalb von Sekunden
  • - Sekundärregelenergie gleicht innerhalb von Minuten nach
  • - Tertiärregelenergie wird gezielt eingesetzt, wenn zusätzliche Stabilisierung nötig ist

 

Gerade in einem zunehmend elektrifizierten Umfeld wird diese Flexibilität immer wichtiger.

👉Wie ColoBâle das Netz mit Regelenergie stabilisiert

 

Praxisbeispiel ColoBâle

Auch bei ColoBâle spielt Energieeffizienz eine zentrale Rolle.

Unser Datacenter ist nicht nur auf Verfügbarkeit, Sicherheit und redundante Energieversorgung ausgelegt, sondern kann durch moderne Infrastruktur auch zur Stabilität des Energiesystems beitragen.

So lassen sich beispielsweise technische Komponenten wie Kühlung, Kompressoren, Kühlwassersysteme, Batteriespeicher oder Notstrominfrastruktur in ein übergeordnetes Energiekonzept einbinden.

Solche Systeme machen Datacenter zu einer Art Puffer im Stromsystem. Sie können Lasten kurzfristig verschieben, Reserven bereitstellen und damit helfen, Schwankungen auszugleichen.

Das ist besonders relevant in einem Energiesystem, das zunehmend auf erneuerbare Quellen setzt.

 

Abwärme als Ressource

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die Nutzung von Abwärme.

Rechenzentren produzieren Wärme. Diese Wärme muss nicht einfach verloren gehen, sondern kann in geeigneten Konzepten weiterverwendet werden.

Mögliche Anwendungen sind:

  • - Fernwärmenetze
  • - Gebäudeheizungen
  • - Quartierlösungen
  • - industrielle Wärmenutzung

 

Damit kann aus einem Nebenprodukt ein echter Mehrwert für Gemeinden, Areale oder ganze Quartiere entstehen.

Auch das zeigt: Datacenter sind nicht nur Teil der digitalen Infrastruktur, sondern können auch Teil einer nachhaltigen Energiezukunft sein.

 

Das digitale Rückgrat kritischer Infrastrukturen

Datacenter sind weit mehr als Technikräume.

Sie bilden die Grundlage zahlreicher digitaler Dienste, auf die Unternehmen, Behörden und die Bevölkerung täglich angewiesen sind. Ohne Rechenzentren würden viele zentrale Systeme nicht zuverlässig funktionieren:

  • - Gesundheitswesen und Spitäler
  • - Zahlungsverkehr und Finanzdienstleistungen
  • - Telekommunikation und Internetdienste
  • - Energieversorgung und Versorgungsnetze
  • - Verkehrsleitsysteme und öffentlicher Verkehr
  • - Cloud-Dienste und digitale Geschäftsprozesse

 

Rechenzentren sind damit ein zentraler Baustein der digitalen Schweiz. Sie schaffen die Grundlage für Innovation, Wertschöpfung und die zuverlässige Bereitstellung vieler kritischer Dienstleistungen.

Genau deshalb geht es bei Datacentern nicht nur um Server, Strom und Kühlung, sondern um Infrastruktur, die täglich dazu beiträgt, dass zentrale Bereiche unserer Gesellschaft zuverlässig funktionieren.


 

Fazit: Datacenter sind Teil der Lösung

Die BFE-Studie liefert eine wichtige Erkenntnis:

Die Realität Schweizer Datacenter unterscheidet sich deutlich von den oft diskutierten Gigawatt-Projekten internationaler Hyperscaler.

Schweizer Rechenzentren wachsen kontrolliert, werden kontinuierlich effizienter und verfügen weiterhin über Optimierungspotenziale.

Gleichzeitig leisten moderne Datacenter einen wichtigen Beitrag zur Digitalisierung der Wirtschaft und eröffnen neue Möglichkeiten zur Netzstabilisierung, Energieoptimierung und Abwärmenutzung.

Moderne Datacenter sind deshalb nicht nur Teil der digitalen Infrastruktur.

Sie werden zunehmend auch Teil der Energielösung.

 

Quellen und weiterführende Informationen:

👉Bundesamt für Energie BFE: Rechenzentren in der Schweiz – Stromverbrauch und Effizienzpotenziale

👉Netzwoche: Wie Schweizer Rechenzentren ihre Energieeffizienz verbessern können

👉BFE-Studie bestätigt: Schweizer Rechenzentren wachsen effizient und mit Augenmass 

 

Gerne zeigen wir Ihnen, wie moderne Colocation-Infrastrukturen zu Effizienz, Sicherheit und Verfügbarkeit beitragen können.

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